Online-VorträgeTheosophischen Gesellschaft Adyar in Deutschland e.V.

Online-VorträgeTheosophischen Gesellschaft Adyar in Deutschland e.V.

Nachtrag zum Zoom-Vortrag vom 19.09.2022

 

Der zugrunde liegende Text von HBP kann in deutscher Übersetzung bezogen werden bei der Schwestergesellschaft Point Loma bezogen werden.

 

Beigefügt der Vortrag, den einige Zoom-Teilnehmer nachfragten. Vielleicht ist er auch für andere von Interesse, die nicht teilnehmen konnten.

 

Wandmalerei: Bild von  

Jesus in den Katakomben Roms

 


„Der esoterische Charakter der Evangelien“

nach H.P. Blavatsky


 Zoom-Vortrag von Dr. Ruth C. Fischer

 

 

Vorbemerkung

 

Alles Geschehen hat immer eine Vorgeschichte - „Was neu scheint - ist geworden“ - oder frei nach Blavatsky „Nichts Neues unter der Sonne und immer wieder alter Wein in neuen Schläuchen“.

 

Einige Zeitdaten - zur Vorgeschichte unserer heutigen Zeit

 

Alter des Universums                                                            ca. 15 Milliarden Jahre

Alter der Erde                                                                        ca. 4,5 Milliarden Jahre

Dinosaurier                                                                            vor ca. 60 Millionen Jahren

„Lucy“/Australopithecus                                                         vor ca. 2 Millionen Jahren

Neandertaler                                                                          vor ca. 300.000 bis ca. 40 TJ.

„Cromagnon“-Mensch/erstes Auftreten                                 vor ca. 40.000 J.

des Homo sapiens sapiens

Höhlenmalereien                                                                   vor 30.000 bis 15.000 Jahren

Bilderschrift, erste bekannte                                                  ca. 3000 Jahre vor Chr.

Keilschrifttafeln, erste                                                            ca. 2500 Jahre vor Chr.

Gilgamesch-Epos                                                                  ca. 2200 Jahre vor Chr.

Ägypten altes Reich                                                               ca. ab 2600 Jahre vor Chr.

Ramses II / Moses / Exodus                                                  ca. 1250 Jahre vor Chr.

Salomon                                                                                ca. 950 vor Chr.

Homer                                                                                    ca. 800 vor Chr.

Sokrates                                                                                geb.ca. 470 bis 399 vor Chr.

Platon                                                                                    428 bis 318 vor Chr.

Aristoteles                                                                              384 bis 322 vor Chr.

Alexander der Große                                                             356 bis 323 vor Chr.

Essener/Qumran-Rollen                                                        ca. 200-100 vor Chr.

Jerusalem als griechische Stadt                                            175 vor Chr.
unter Jason (Hoherpriester)

Cäsar & Cleopatra                                                                 ca. 48 vor Chr.

“Leben” + Wirken von Jesus (Christus)                                 ca. 4 vor Chr. bis 30 n.Chr.

 

U N D  - lange vor der Entstehung des christlichen Glaubens gab es das griechisch-römische Götter-Pantheon mit Zeus und Jupiter. Und noch weiter zurück gab es in Ägypten die Unsterblichkeitsvorstellung mit dem Mumien-Kult. Hiernach stieg die Seele zu den Sternen auf und die Form des Körpers wurde konserviert, damit die Seele ihren ehemaligen Körper wiedererkennt und ihn für ihr unsterbliches jenseitiges Leben annimmt.

 

Zur historischen Verifizierung der Person Jesus gibt es kaum Quellen. Zitiert sei hier Tacitus, ca. 55 bis 115 n.Chr., in dessen „Annalen“ erwähnt wird: “Christus … durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet.“, zit. in Jerusalemer Bibel (BJ); oder eben: Sueton (Suetonius), ca. 70 bis 140 n. Chr., röm. Schriftsteller und kaiserlicher Kanzleivorsteher schreibt: „Claudius verjagt die Juden aus Rom“, die auf Betreiben von Chrestos (man beachte das „e“ in dem Namen.) ständig Unruhen stiften. (49 n. Chr., zit. in BJ) Zeitgenössische Beschreibungen des Wirkens von Jesus sind nicht vorhanden.

Die sog. kanonischen Evangelien sind wesentliche Grundlage der christlichen Religion.

Sie sind zeitlich nach dem Wirken Jesu entstanden:
Markus Evangelium.                                                 um 70 nach Chr.

Matthäus und Lukas Evangelium.                              um 80 nach Chr.
Johannes Evangelium                                              um 85 nach Chr.

Offenbarung des Johannes                                       um 95 nach Chr.

 

In der „Jerusalemer Bibel“ gibt es eine „Einleitung zu den synoptischen Evangelien“. In ihr werden die Evangelien des Matthäus, Lukas und Markus, also vorerst drei von den vier Evangelien, einander gegenübergestellt und nach Inhalt und Stil miteinander verglichen. Auch wird versucht, Aussagen darüber zu treffen, inwieweit es gemeinsame Quellen gibt, und ob ein je einzelnes Evangelium eine Vorlage für ein anderes war. Ebenso wird versucht, die Herkunft der Autoren näher zu bestimmen. Leider ist es so, dass fast alle Aussagen über die Evangelisten nur Wahrscheinlichkeitscharakter haben.

Mit Sicherheit waren die Evangelisten „Kinder ihrer Zeit“ und mit den damalig diskutierten Philosophien verbunden. Aber man weiß nicht, welche Lehrer sie hatten und wo und wie sie welches Wissen erhielten. Im Ganzen kann man annehmen, dass die Entstehung des Christentums, verbunden mit dem Namen Jesus, eingebettet war in die damalige Geisteswelt. Man weiß, dass es in der frühen Zeit vor +/- 2000 Jahren einen regen geistigen Austausch zwischen Menschen aus den verschiedenen Ländern rund um das Mittelmeer gab, also zwischen Griechenland, Ägypten bzw. Nordafrika, Italien, Palästina usw.

So ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass in die Evangelien auch Aspekte der griechischen und ägyptischen Antike eingeflossen sind. Genau hier setzt der Aufsatz von H.P. Blavatsky an, wenn sie die Ursprünge einiger Beschreibungen und Aussagen in den Evangelien mit Traditionen und Denkweisen anderer angrenzender Länder wie Griechenland und Ägypten verknüpft sieht..

 

Helena Petrovna Blavatsky bezeichnet ihre Ausführungen zum esoterischen Charakter der Evangelien als ein ‚leaflet‘, d.h. Prospekt oder Entwurf und will sie als Anregungen verstanden wissen, in der symbolischen Entschlüsselung der Evangelien weiter zu forschen. Immer wieder betont Blavatsky, dass das heilige Buch, die Bibel, eine symbolische Interpretation verlangt, um es zu verstehen.

 

Blavatskys Schrift „Der esoterische Charakter der Evangelien“ ist ein Beispiel für die Entblätterung geschichtlich tiefverwurzelter geistiger Inhalte. Sie zeigt dies an dem Namen „Jesus Christus“, des angenommenen Begründers des Christentums. Geschichte ist nicht nur Geschehen, sie ist geschichtet – und nicht zu dünn, sondern mehrfach und für den ungeschulten Leser nahezu undurchdringlich. Es ist ein Blätterteig-Turm! Blätterteig – ausgewalzt und gefaltet, neu ausgewalzt und gefaltet, mehrmals so fort! Zu bedenken wäre jetzt auch dabei: dass ich als Vortragende selbst eine hauchdünne Schicht bilde, indem ich diese vorgefundenen Zusammenhänge aufnehme und sie durch den Filter meines Verstandes weitergebe.

 

Es soll die mythologische Verwurzelung unseres Christentums über seinen Protagonisten Jesus Christus vorgestellt werden. Es ist wirklich ein komplexer Zusammenhang, der verschiedene Stufen der Esoterik berührt bzw. immer wieder Dinge zeigt, die noch weiter hinter den Dingen stehen. Das Letzte und Tiefste davon berührt das Fundament unserer Existenz, nämlich unser inneres Verhältnis zum Göttlichen, was in der Theosophie auch bedeutet, ein „Christus-Bewusstsein“ zu entwickeln, wie am Schluss des Vortrags kurz angeführt.

 

Die uns in deutsch vorliegenden Evangelien, die ursprünglich in Altgriechisch verfasst waren - das Matthäus Evangelium später auch in aramäisch-,  sprechen durchweg von Jesus. Der Name Christus wird in ihnen nicht verwendet. (Allerdings - viele heutige Bibelausgaben verwenden die Bezeichnung „Christus“ auch in den Evangelien, und „Christus“ und die Bezeichnung „Messias“ werden wechselweise benützt.) Der Name „Christus“ kommt in den Paulus-Briefen und in der Apostelgeschichte vor - soweit es einige Übersetzungen betrifft. Es wäre zu fragen, warum Übersetzungen so unterschiedlich sind. In der Apostelgeschichte heißt es definitiv in der deutschen Übersetzung: die Nachfolger und Jünger Jesu werden/sollen Christen genannt werden.

 

„In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen.“ Apg 11.26.

Im Brief an die Philipper heißt es: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus (!) entspricht: er war Gott gleich (!), hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich  und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel,  und auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus (!) ist der Herr – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ Phil. 2, 5-11.

Anmerkung (!): Steht Chréstos hinter einem Namen, so bedeutet es (nur) „ein guter Mensch“. Steht er davor, verweist es auf einen Eingeweihten. Auch wurde im frühen Christentum vielfach die „Gottes-Gleichheit“ thematisiert.

 

In der Urform der Evangelien wird nicht Christus verwendet sondern der Ausdruck Chréstos. Dieser hat ebenso wie der Name Jesus seinen Ursprung in der griechischen Mythologie. Dies soll hier erläutert werden. In frühen Übersetzungen der Evangelien aus dem Griechischen wird nicht Chréstos benützt, sondern der Ausdruck wird umschrieben:

In Lukas 6,35, ursprünglich übersetzt, steht Chréstos im Sinne eines „gütigen und gnädigen“ Gottes. Im 1. Petrus-Brief, 2,3, wird Chréstos im Sinne von „Gütig/freundlich ist der Herr“ verwendet.

 

Ich nehme hier das Hauptergebnis der Analyse von HPB vorweg: Der Chréstos der griechischen Antike war die Bezeichnung für einen Initiierten/Eingeweihten. Die Entstehung des Namens selber wird weiter unten erläutert, sowie der Übergang zu dem Namen Christus. Der Name Jesus ist eine Ableitung vom Namen Ion, dem Sohn des griechischen Sonnengottes Apollo.

 

In alten griechischen Heiligtümern finden sich viele Steintafeln mit dem Namen Chréstos. Zum Beispiel eine Tafel aus einem Heiligtum nahe der Stadt Larissa, etwa nördlich von Athen gelegen.

 

Χ Ρ Ε Σ Τ Ο Σ    Π Ρ Ω Τ Ο Υ    Θ Ε Σ Σ Α Λ Ο Σ  
Chrestos    Protoi    Thessalos
  Λ Α Ρ Ι Σ Σ Α Ι Ο Σ     Π Ε Λ Α Σ Γ Ι Ο Τ Η Σ    Ε Τ Ω Ν     Ι Η
 Larissaioz   Pelasgiotes   eton ie

Engl. Übersetzung:

„Chréstos, the first, a Thessalonian from Larissa. Pelasgiot 18 years old hero“

 

Chréstos steht hier am Beginn. Wenn Chréstos hinter einem Namen steht, so ist soll darauf verwiesen werden, dass es sich um einen guten Menschen handelt, wie erwähnt. In dieser Grabinschrift ist es als ein posthumes Kompliment an den Verstorbenen zu verstehen. Chréstos steht hier allein ohne einen bestimmten Namen, gefolgt von protoi/der Erste mit der Benennung des Verstorbenen als Held. Der Verstorbene war ein Neophyte/Schüler, der im 18. Jahr seiner Einweihungen starb und war in der ersten oder auch schon höchsten Stufe seiner Schülerschaft, deren Versuchungen er bis dahin „heldenhaft“ überstanden hatte. Es gibt mit neuen Namen in der Schülerschaft auch ein neuer Beginn des Zählens der Lebensjahre. Deshalb zum Beispiel, „Saul regierte im Alter von 1 Jahr“. Die gemeinte Person auf der Steintafel verstarb vor der endgültigen Einweihung in das letzte Mysterium. Auf dieser erreichten letzten Stufe würde er ein Chréstos/Eingeweihter und ein Gesalbter gewesen sein, da die Neophyten nach den letzten Mühsalen mit ‚heiligen Ölen eingerieben werden.

 

Im griechischen Eretria, mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, vor Christi Geburt, auf der Insel Euböa, gab es eine Orakelstätte, von der heute nur noch Ruinen übrig sind. Es war eine der Sibyllen, die dort Prophezeiungen gab. Eine davon lautet:

 

 

Ι Η Σ Ο Υ Ε    Χ Ρ Ε Ι Σ Τ Ο Σ    Θ Ε Ο Ν    Υ Ι Ο Σ    Σ Ω Τ Η Ρ
Iesoue  Chreistos  theon  yios soter 
Σ Τ Α Υ Ρ Ο Σ

staurus.

„Iesus, Christos, God, Son, Savoir, Cross“

in der englischen Übersetzung.

 

Transliteriert und übersetzt ins Englische und Deutsche ergibt sich:

 

Iesoue  Chreisto  stheon  yios soter staurus.

„Iesus, Christos, God, Son, Savoir, Cross“

Jesus, Christus, Gott, Sohn, Erlöser, Kreuz.

 

Unverkennbar scheinen die Namen Jesus und Christus wie geschrieben in die vorchristlichen Steintafeln. Die scheinbar lose aneinander gereihten Hauptwörter sagen dem nur weltlich Gesinnten nichts.

Was meint nun diese sibyllinische Prophezeiung aus Vorzeiten esoterisch betrachtet?

Blavatsky:

„Diese Prophezeiung betrifft nicht nur Jesus, sondern sie ist ein Satz aus dem mystischen Katechismus der Eingeweihten. Der Satz spricht von dem Kommen des Geistes der Wahrheit oder Christos (spirit of the truth), oder das Kommen des Christusbewusstseins herunter auf die Erde.“ Nach diesem Ereignis wird das Goldene Zeitalter anbrechen.

 

Aber Achtung: Dies hat nichts mit Jesus zu tun, wie wir weiter unten noch sehen werden. Der Vers verweist darauf, daß dieser gesegnete Zustand einer innerlichen Gotteserscheinung, das Herabkommen des Geistes der Wahrheit, nur über die Kreuzigung des Fleisches erreicht werden kann. Blavatsky benennt diesen Vorgang mit den Begriffen „theophany/als göttliche Erscheinung“ und der „theopneusty/als göttliche Einhauchung“.Es ist Weg hin zur höchsten Initiation.

 

Insgesamt scheint diese Weissagung wie geschaffen für die Entstehung des Christentums – aber sie ist nicht christlich, sondern heidnischen Ursprungs.

 

Nichtsdestoweniger ist dieser bedeutungsvolle Satz der orakelnden Sybylle von den christlichen Kirchenvätern als eine Vorhersehung der Entstehung des Christentums genommen worden.

Bei Robert  K.G. Temple in „Götter, Orakel und Visionen“, Frankfurt/M 1982, ist folgendes berichtet. Von dem Kirchenvater Eusebios sind – vermutlich gefälschte – Sibyllinische Akrostichon-Verse überliefert. In einem Akrostichon ergeben Silben oder Wörter aneinander gereiht eine Botschaft. Eusebius schrieb es so: „Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser, Kreuz“. :Kaiser Konstantin selbst zitierte eben jene Verse, als er vor dem Ersten Konzil von Nicäa sprach. „Wahrhaft erfüllt von göttlichem Atem weissagte diese Sibylle in Versen, was, was im Hinblick auf das Kommen des Gottessohnes geschehen würde; sie verkündigt eindeutig das Kommen von Jesus Christus, indem sie aus den Wörtern ein Akrostichon/Abfolge formt – Jesus Christus, Sohn, Gottes, Erlöser, Kreuz.“ Welcher Sibylle dieses zugeschrieben wurde bzw. wo und wann sie sprach, darüber wurden diverse und strittige Behauptungen aufgestellt. Temple, S. 15: „....Dies sagt eine Menge darüber aus, welchen Einfluß Heiden und Christen gleichermaßen der Sibylle zuschrieben.“

 

Zentral sind die beiden Namen IESOUS und CHREISTOS in der sibyllinischen Aussage. Wo liegt ihr Ursprung? Blavatsky: „Studiert die Mythologie der Alten! Denkt über Apollo nach!“

 

Apollo/Phoibos ist der griechische Sonnengott. (Helios lenkt den Sonnenwagen.) Er ist der Gott der Weisheit und des Heilens, Hüter des delphischen Orakels und der schönen Künste. Bei Delphi tötete er den Drachen Python, wird daher auch Pythier genannt. Er hat den Beinamen Phoibos, der Strahlende. Geboren auf Delos, ist er der Sohn von Zeus und der Göttin Leto/Latona, der Tochter eines Titanen. Seine Zwillingsschwester ist Artemis.

 

Seine Söhne sind Ion (der Kommende)/Janus und Asklepios/Äskulap - der Heiler, Soter auf griechisch, mit seiner Tochter Hygieia. Janus/Ion wird Priester in Delphi. Hermes, der Götterbote, brachte ihn nach Delphi, nachdem seine Mutter ihn ausgesetzt hatte, aus Scham darüber, ihn jungfräulich geboren zu haben!! In Delphi wurde er zum Priester im Heiligtum seines Vaters Apoll, und erhielt den Namen Chrestis Janus.

 

Janus war der erste Chrestis oder Initiierte in der griechischen Mythologie.

 

ION/JANUSApollo, ein Gott war sein Vater, seine Mutter eine Sterbliche, und er wurde jungfräulich geboren.!!! Janus, abstammend vom Sonnengott, selber eine solarer Gott, bedeutet auch „der Initiator und der Öffner des Tors zum Licht“. Seine sterbliche Mutter war Kreusa/Krisa, worin esoterisch auch wiederum Chris enthalten ist. Janus wurde Chréstos, durch den der Gott sprach. Janus/Ion war der Begründer des ionischen Volkes.

 

Asklepius/Äskulap, der andere Sohn von Apollo, war ein göttlicher Physiologe, der Gott des Heilens, Rettens, der Soter (s.a. Soteriologie) auf griechisch, ein Titel, den auch ION/JANUS von Delphi hatte. Seine Tochter hieß IASO, die Göttin des Heilens und die Schutzherrin aller Kandidaten für die Initiation, daher werden alle Novizen oder Chrestoi auch die „Söhne von IASO“ genannt. Eine dialektbedingte Umwandlung war Iaso zu Ieso (ionisch), oder dann, auch älter, Iesous.

 

Als Deutung des Orakelspruchs der Sibylle kann festhalten werden:

Apollo, der Sonnengott der Weisheit und der Künste, hat den Sohn Ion/Janus/Iaso/Ieso/Iesous (was alles die selbe Person meint), der Sohn Ion wird Tempelpriester und seine Schüler werden Chréstois genannt.

 

Oder etwas umständlich:

„Der SOHN(Novize) von IASO , als CHRESTOS (der Priester und Diener) (von dem) SOHN, dessen Vater GOTT (Apollo) ist und ERLÖSER/Retter von dem KREUZ.“

Also - der Sohn als Tempeldiener von Iaso wird Chréstos genannt, wie eben dann später auch seine Schüler.

 

Anmerkung zur Sprachgeschichte allgemein: Lautumwandlungen und Lautverschiebungen zeigen sich über die Zeit hinweg in allen Sprachen. Zum einen bedingt durch die Übernahme von Namen in andere Sprachen, wie oben das griechische Ion wird im Lateinischen zu Ianus, und zum anderen sind die Veränderungen bedingt durch die Physiologie unseres Sprechens. In der Artikulation von Lauten gibt es im Sprechapparat ähnliche Bewegungen und damit näher beieinander liegende Klänge von einzelnen Lauten. Man beobachte seine Zungenbewegung bei der Artikulation von z. B. „e“ und „i“.

 

Wir haben die beiden Ausdrücke Chrestos und Christos still benutzt. Es geht nun um den Unterschied von Chre... und Chri....

 

Chréstos  = der Eingeweihte, Christos – der Gesalbte. Hier muß man etwas tiefer in die griechische Wortgeschichte einsteigen.

Wir haben:

Μ α ν τ ε ύ μ α τ α  π υ θ ό χ ρ η σ τ α ---

M a n t e y m a t a   p y t h o c h r é s t a 
   = Orakel gegeben von einer pythischen Gottheit
π υ θ ό χ ρ η σ τ ο ς ---- p y t h o c h r é s t ο s

  = ist ein substantiviertes Adjektiv von dem Wort

χ ρ ά ω ---chrao (als Befragen eines Orakels.)

 

In dem Wort Chréstos steckt das Verb ‚chrao‘.

Es heißt:

χ ρ ά ο μ ά ι – chraomai= ein Orakel befragen/Schicksalhaftes erfahren vom Orakel, von einem Orakel gerichtet als „Schicksal“, bei gleichzeitigem Bringen von Opfern  zum Urteilsspruch, verstanden auch als das WORT.

 

Verschiedene Begriffe entstanden.

„Chrésterion“  ist nicht nur der Sitz des Orakels, sondern auch eine Gabe an oder für das Orakel.

„Chrestés“ --- χ ρ η σ τ η  ς ist jemand, der Orakel auslegt oder erklärt, ein Prophet, ein Wahrsager.

„Chrésterios“ --- χ ρ η σ τ η ρ ι ς  ist jemand, der zu einem Orakel oder Gott, Meister gehört oder in seinen Diensten steht.

 

Die Wörter Christ und Christen wurden ursprünglich wie folgt buchstabiert: Chrést und Chrésten. Diese Wörter/Ausdrücke wurden direkt übernommen aus der Tempel-Terminologie der Heiden und bedeuteten weiterhin dasselbe Ding.

 

An Stelle des Orakels und der alten Götter kam nun der Gott der Juden. Die allgemeine Bezeichnung Chréstos wurde ein Nomen, das einer bestimmten Art von Personen (personage) zugeschrieben wurde, als Gattungsname und nicht als persönliches Attribut. Es entstanden neue Begriffe wie „Chréstianoi“ und „Chréstodoulos“, verstanden als Nachfolger und Diener von „Chréstos“. HPB zitiert  einen Philo Judäus, auch Philon von Alexandria, 15/10 – 45/50 n.Chr.. Dieser spricht von „theochréstos“ = Gott verbunden (God-declared), von Gott erwählt, und „logica théochrésta“ = von Gott kommende Aussagen. Dies war zu einer Zeit, als ‚Christen oder Chresten‘  nicht als solche bekannt waren, sondern sich noch Nazarener nannten.

 

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen dem griechischen

χ ρ ά ω = chrao als befragen eines Orakels  und

χ ρ ἰ  ω = chrio  als reiben, einölen, salben,  was zu Christos wurde.

Dieser Unterschied hat nicht verhindert, dass der ursprüngliche Ausdruck von Philo, nämlich theochréstos später von den Kirchenvätern umgebaut wurde und zu theochristos = ‚Gott gesalbt‘ wurde: Es ist nur eine leichte Verschiebung zweier Buchstaben: nämlich von η=e nach ι=i.  (Artikulationsmechanismen begünstigen die Lautverschiebungen.)

 

χ ρ ά ο μ ά ι – chraomai, und  ‚chréstheis‘ in dem Sinne: einen ‚Gott um Rat ersuchen‘, und die Antworten zu geben an einen Adepten oder hohen Chela, Priester, eben einen Chréstos, der die Worte erklären und auslegen kann. Ein Gott kann nur zu einem IHM verbundenen sprechen, der sein Wort verstehen kann.

Chréstos - das ist der gute heilige Mensch, mit Milde, Güte und Wohltat; diese Chréstoi als die heiligen guten Menschen existierten lange schon vor dem Christentum.

 

Der Ausdruck Chréstos wird in verschiedenem Sinne in den alten Schriften gebraucht. Er bezeichnet beides – sowohl die Gottheit wie auch den Menschen. Wie schon erwähnt, in Lukas 6,35, ursprünglich im griechischen geschrieben, steht Chréstos im Sinne eines „gütigen und gnädigen“ Gottes. Im 1. Petrus-Brief, 2,3, wird  Chréstos im Sinne von „Gütig/freundlich ist der Herr“ verwendet.

 

Andere, wie Clemens von Alexandrien, ein anerkannter griech. Kirchenschriftsteller, ca. 150-215 n.Chr., (Sein Wirken zielte auf die Schaffung einer christlichen Kultur und die Überwindung der Gnosis!)  erklären,  der Ausdruck  Chréstos sei nur anzuwenden auf  einen guten Menschen, dabei sowohl auf die, die es selber sind, wie auf die, die an einen guten Menschen glauben. Dies klingt hier sehr banal.  Ist aber bedeutsam vor dem Hintergrund, daß Clemens selber ein Eingeweihter war, wie HPB sagt.  Clemens kannte die Bedeutung von Chréstos, bestand später aber darauf, sich Christ zu nennen, nachdem er sich zum Christentum bekannt hatte.  Dieser Clemens war ein Chréstos, der Christ wurde.

 

Wenn Jesus als der Christus=Gesalbte verstanden wird, hat es sicher tiefere Gründe als bloßes Einreiben mit Öl. Mit Sicherheit schwingt latent mit, die Salbung der Schüler vor der Erfahrung des letzten Mysteriums. HPB  gibt zusätzlich einen Hinweis auf heidnische Mysterien - was damit glaubwürdiger und gerechtfertigter erscheint, den Ausdruck „Christus-der Gesalbte“ für den Jesus der Evangelien zu verwenden. Wiewohl es keine Stelle in den kanonischen Evangelien zur Salbung Jesus gibt.

 

Ein weiterer Hinweis liegt in den ägyptischen Mysterien, oder den Sterbe-/Todes-Ritualen mit ihren Mumifizierungen.

 

Blavatsky zitiert Gerald Massey, der sagt, dass der Urheber des christlichen Namens der Mumienchrist Ägyptens sei, genannt der „Karest“ oder „Karust“, der ein Abbild des unsterblichen Geistes im Menschen ist, des inneren Christus, wie Paulus es nennt, des göttlichen, fleischgewordenen Sprößlings des Logos, des Wortes der Wahrheit, des „Ma-Kheru“ Ägyptens. Horus als Bote des Wortes der Wahrheit, des Logos oder der Baumeister/Vollzieher der göttlichen Natur in der Menschheit ist  und der „unserem“ Christus vorausging.

 

Das Bild der Mumie versinnbildlichte dabei die Bewahrung und Errettung/Erlösung in der „Form“ der Unsterblichkeit.  Man muß dies hier rein symbolisch sehen. In der Mumifizierung sollte nicht der Körper als solcher erhalten bleiben, sonst hätte man ja nicht Herz und Leber entfernt etc., sondern als Ausdruck der Bewahrung des unsterblichen Etwas im Menschen. Diese Art des Unsterblichseins wurde Karest  genannt.

 

Blavatsky: „Und dies war der ägyptische Christ.“

 

Das Verb kares meint dabei das Einbalsamieren und Salben, um mit der Mumie diesen Ausdruck für die Unsterblichkeit zu schaffen. Die Versinnbildlichung war sogar in das profane Leben integriert: Laut Plutarch und Herodot pflegte man bei  geselligem Essen  solch eine Mumie zu zeigen und herum zu tragen, während die Gäste  freudig aßen und tranken mit der Vorstellung und Gewissheit dabei, dass sie nach dem Tode unsterblich waren, wie ihnen die Mumie das symbolisierte. HPB betrachtet nun das Ritual der Mumifizierung selber.  Für die Einwickelung der Mumie war es wichtig, nahtloses Gewebe zu verwenden. Dies belief  sich schon auf  900 bis 1000 m Stoff am Stück.  Nahtlos, um es ewig zu tragen, Gewand für die Ewigkeit.  Die Nahtlosigkeit des verwendeten Materials/Stoffs sieht HPB auch in dem Gewand von Jesus, der nach den Evangelien einen Umhang/Coat oder Chiton (Kleidungsstück im antiken Griechenland) trug.

 

Joh. 19.23:  „Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier (!) Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchwebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander, wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: PS 22.19: ‚Sie verteilen meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand‘“. Mit dem Gewand  von Jesus muß es schon Einiges auf sich haben; seine Kleider wurden nach der Kreuzigung in vier Teile zerschnitten. Nebenbei auch gibt es einen Hollywood-Film: Das Gewand, etc. Wichtig bei der Mumifizierung war noch, dass die Gestalt des Körpers erhalten blieb.

 

Jesus wird gemäß den Instruktionen zum Tode verurteilt, die für die Herstellung des Karest gelten. Es wird ihm kein Knochen gebrochen. In den Evangelien aufersteht Jesus heil an allen Gliedern, gleich dem vollkommen-erhaltenen ‚Karest‘, um die physische Auferstehung zu demonstrieren. Aber im ägyptischen Original verwandelt sich die Mumie, sie wird vergeistigt, indem der Entschlafene sagt: „Ich bin eine Seele/Ka geworden, auferstehe als ein Gott.“ Diese spirituelle Transformation fehlt in den Evangelien.

 

Joh. 19.31-37 „Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, daß er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt. Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfülle, Ex 12.46, PS 34.21, „man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.“ Und ein anderes Schriftwort sagt: Sach 12.10 ‚Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.‘“

 

Diese Stelle im Johannes-Evangelium ist sehr denkwürdig und kann nur an anderer Stelle interpretiert werden.

 

Ein Hinweis auf das Einwickeln der Toten findet sich in Joh. 19.40: „Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.“ Dies ist so nachzulesen nur im Johannes-Evangelium.

 

Zu bemerken ist, dass in den römischen Katakomben, dem damaligen Zufluchtsort der frühen Christen, es auch eine Reihe von Wandbildern gibt. Dort gibt es nicht ein einziges Bild von dem gekreuzigten Christus. Vielmehr  wird Jesus als ein guter Hirte zwischen Tieren und in lieblicher Natur gezeigt. Und es findet sich keine Darstellung der angenommenen historischen Auferstehung Jesu auf irgend einem der frühchristlichen Denkmäler. Stattdessen findet man die Szene, wie Lazarus vom Tode auferweckt wird, der einzige Hinweis auf den Auferstehungsgedanken.

Bezeichnenderweise ist der Name „Lazarus“ ägyptischen Ursprungs: „Laz/ras“ bedeutet erhoben werden, „aru“ ist der Name für Mumie, und durch Hinzufügung des griechischen „s“ wird dies zum Namen „Lazarus“. („L“ und „R“ sind Dentallaute, leicht verwechselbar.)

 

In ihrem Aufsatz stellt Blavatsky weitere Bezüge her und deckt Einflüsse auf aus dem hebräischen und altindischen Geistesleben sowie kosmologische Interpretationen.

 

Dies hier als Hinweis mit der kurzen Anmerkung zu dem Namen „Krishna“.

 

Verbindungen gibt es zu dem indischen Krishna. Chrio = eingerieben werden, was in der Christologie letztlich zum Gesalbten wurde. Im Sanskrit ist Kri = ausgießen, einreiben mit, bedecken. Andere führen es auf Sanskrit-Wurzeln zurück: „grish“=reiben und „grish-ta-s“= geschunden, wund. Krish, welches in einem Sinne ‚pflügen‘ heißt oder ‚Furchen machen“ bedeutet, außerdem auch Schmerz verursachen mit foltern, quälen‘.

 

Blavatsky: „Alle diese Ausdrücke beziehen sich auf Chréstos/Christos-Zustände. Man muß sterben in Chréstos, d.h. seine Persönlichkeit und ihre Leidenschaften töten, jeden Gedanken des Getrenntseins vom „Vater“, des göttlichen Geistes im Menschen, auslöschen, um eins zu werden mit dem ewigen und absoluten Leben und Licht (dem hinduistischen SAT), ehe man den herrlichen Zustand des Christos erreichen kann, des wiedergeborenen Menschen, des Menschen in spiritueller Freiheit.“

 

Fazit:

Auf welche konkret gelebte historische Person sich immer auch die Evangelien beziehen mögen, diese Person war ein Chréstos – ein Erleuchteter, ein Eingeweihter. HPB nennt noch einen früher gelebten Jesus von Ludd, dem ein ähnliches Schicksal wie dem Jesus in den Evangelien widerfuhr. Der Name Christus/Chréstos ist ein Gattungsname. Ein Name für die besonderen Menschen mit dem Christusbewusstsein. Hinter den Namen wirken die uralten Botschaften.

Findet oder erkennt das Göttliche, werdet göttlich!

 

Die alten Botschaften sind fragmentarisch zu erkennen - aber sie sind erkennbar. Sie sind aufgehoben wie, wenn sie über die „Stille Post“, ein vielsagendes Spiel im ironischen Sinne, sich durch die Jahrhunderte, Jahrtausende erhalten haben.

 

Blavatsky: „Die Schüler der Theosophie verwerfen die einseitigen Auslegungen und das menschliche Element in der Bibel, die ein esoterisches  und daher heiliges Buch ist, so gut wie die anderen.“

 

Ein Wort noch zu kirchlichen „Umgestaltungen“, z. B. in den Evangelien:

Lange hat die Christenheit bzw. der in der Kirche formulierte christliche Glaube sich gefragt, wer denn nun ein guter Christ sei: Eine Antwort wurde mit einem Vers aus den Evangelien gegeben:

Markus 16,16: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“

Dieser Satz steht unkommentiert in meiner Lutherbibel.

 

Erst in der neueren allseits anerkannten Jerusalemer Bibel wird dieser harte Satz bemerkenswert kommentiert:

S. 1456: „Der ‚Markusschluß‘, 16.9-20, ist Teil der Heiligen Schrift und besitzt kanonische Geltung. Das bedeutet nicht notwendig, daß er auch von Markus redigiert sein müsse. Daß dieser Abschnitt ursprünglich zum Markus-Evangelium gehört, ist in der Tat fraglich. ... Mehrere Handschriften, darunter der Codex Vaticanus und der Codex Sinaiticus, lassen den heutigen Schluß weg. ... Ebenso bezeugt die Überlieferung der Kirchenväter ein gewisses Schwanken. ... daß der ursprüngliche Schluß aus einem uns unbekannten Grunde verschwunden sei und daß der heutige Schluß verfaßt wurde, um eine Lücke zu füllen.“

Milder klingt es in der Apostelgeschichte Apg 2,38:

“Tut Buße und lasse sich ein jeglicher auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gnade des heiligen Geistes.“ Die Apg klingt im Sinne Christi authentischer, indem sie ohne Drohung und Verdammnis ‚operiert‘.

 

Blavatsky wies auf das verfälschende nachträgliche Einfügen dieses harten Satzes im Markus-Evangelium im Jahre 1888 hin. Dieser grausame Satz ist für Blavatsky ein Ausdruck eines theologischen Satans in einer Kirche, deren Gott gleichzeitig unendlich gütig und gerecht sein soll.

 

Was sagt Blavatsky zu „Christus“?

„Dieser Christus muss weder in der Wüste gesucht werden, noch in den inneren Gemächern, noch in dem Heiligtume irgendeines Tempels oder einer von Menschenhand erbauten Kirche; denn Christus – der wahre esoterische Erretter – ist kein Mensch, sondern das göttliche Prinzip in jedem menschlichen Wesen. Wer danach strebt, den Geist auferstehen zu lassen, der durch seine eigenen irdischen Leidenschaften in ihm gekreuzigt worden ist und tief  in der Gruft seines sündigen Fleisches begraben liegt; wer die Kraft hat den Stein der Materie von der Tür seines eigenen inneren Heiligtumes hinwegzurollen, der hat den auferstandenen Christus in sich.“

 

Und weiter: „Christus muss als reiner Geist verstanden werden.“ Andererseits wäre schlimmster Materialismus die Konsequenz, wenn es keine Ideale mehr gibt, die unanfechtbar und universell auf den „Fels der ewigen Wahrheit“ gebaut sind. Reine Immaterialität muss den schrecklichen Anthropomorphismus dieser Ideale (unserer Kirchendogmatiker) ersetzen. Wie sonst kann es überzeugend erklärt werden, dass die christlichen Lehren den anderen exoterischen heidnischen  Religionen überlegen sind?

 

Das Gerüst aller Religionen wurde auf den selben astronomischen, physiologischen oder phallischen Symbolen erbaut: Astrologisch ist jede religiöse Lehre verbunden mit dem zodiakalen Zeichen der Sonne. Physiologisch oder phallisch ist es der urzeitlich, uranfängliche Mensch, der im Blut mit den Göttern verbunden ist, Götter als Eltern.

 

Das Alte ist das Neue für die Nichwissenden, nur im neuen Gefäß..

Das Neue ist das Alte in anderem Gewand und immer schon vorhanden.

 

Es ist zu fragen ob hier „Gottes eingeborener Sohn“ eine Umkehr oder Verschiebung des Uranfänglichen ist: „als die Götter Menschen waren“. In unserer Existenz ist im Kreislauf beides:

- Menschen, die Götter werden/sind, den „göttlichen Funken“ in sich tragen;
-  Götter, die Menschen waren/werden, herabsteigen, inkarnieren. 

Daher, scheint verbunden damit: Menschensohn/Gottessohn

 

Fazit:

Blavatsky hat gezeigt, daß die Evangelien in sich eine alte Weisheit bergen. Das „Neue“ an den Evangelien scheint ‚nur‘ zu sein, dass sie überhaupt geschrieben wurden und die alte Weisheit/Wahrheit neu in ihnen weiter ist und lebt. Dies ist eine gewaltige und wunderbare Leistung. Dank den Evangelisten! Wer waren sie?

Bedauerlich dagegen ist, daß unsere Kirchenväter, aus welchen Gründen auch immer, die Evangelien ihrem machtpolitischen Kalkül unterworfen haben und die alte Symbolik ignorierten,  bzw.  etwas als neu, nur auf das Christentum bezogenes einzigartiges mißbrauchten. Sollen sie es tun – es ändert nichts – das alte Wahre bleibt bestehen. Kommt das Alte in neuem Gewand und spricht die nächsten Generationen positiv an, so ist auch damit viel erreicht. Allerdings – es ist daran zu arbeiten, daß die Evangelien nicht konkretistisch und anthropomorph verstanden werden.

Ein schwieriges Unterfangen!

Dennoch - die alte Weisheit muß gewonnen werden. Zugleich ist es ein Trost zu wissen oder zu glauben, daß eine Wahrheit existiert, was auch immer geredet, behauptet oder gedacht wird.


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